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Palazzo Gondi · 17. Februar 2015

Die Verkündigung von Leonardo da Vinci führt durch das Haus Gondi

An der Accademia Toscana di Scienze e Lettere La Colombaria fand ein Vortrag von Prof. Riccardo Fubini und Dr. Massimo Giontella statt. Dabei wurden neue Thesen zur Verkündigung von Leonardo da Vinci vorgestellt, dem heute in den Uffizien in Florenz befindlichen Gemälde.

Bei dieser Gelegenheit wurde ein Vorgriff auf ihre Schlussfolgerungen gegeben, wobei ein vollständiges Bild einer künftigen Veröffentlichung vorbehalten bleibt. Die Landschaft im Hintergrund ist Otranto, wie die geografischen Übereinstimmungen belegen sowie ein Brief von Federico da Montefeltro, Herzog von Urbino, in dem er festhält, den Stadtplan vor sich zu haben, den Sixtus IV. im Hinblick auf einen Befreiungsangriff gegen die türkische Aggression hatte anfertigen lassen. Die Datierung des Gemäldes lautet demnach 1481.

Wenn Federico den Plan von Otranto in Händen hielt, so ist offenkundig, dass die im Gemälde dargestellte florentinische Villa seine Villa di Rusciano in Florenz ist. Die Beteiligung Federicos an dem Gemälde schließt aus, dass Leonardo der Hauptautor war, da es zwischen dem Herzog und dem Künstler nie Beziehungen gab. Zu diesen Argumenten tritt ein stilistisches hinzu: Die geradezu besessene Ausarbeitung des Details ist mit Leonardos Machart unvereinbar. Leonardo ist zweifellos als bereits selbständiger Schüler im Gemälde präsent, doch der Hauptkünstler ist Antonio del Pollaiolo – entgegen der offiziellen Zuschreibung. Das Gemälde war eine Aufforderung an Federico, den Oberbefehl über die militärischen Operationen gegen die Türken zu übernehmen. Der eigentliche Auftraggeber war somit Giuliano Gondi, Bevollmächtigter des Herzogs von Urbino in Florenz, auf Betreiben des neapolitanischen Königshauses, dem Giuliano Gondi eng verbunden war.

Der Berg im Hintergrund, der vor der Restaurierung im Jahr 2000 anthropomorphe Züge aufwies, stellte die Sibylle dar, die Federico den Sieg voraussagte: All dies trat nicht ein, denn Sixtus IV. – aus Furcht, Federico könnte sich endgültig der neapolitanischen Sache verschreiben – hielt den Herzog von Urbino auf, als dieser bereits nach Otranto aufgebrochen und in Recanati angelangt war. Die Villa di Rusciano wurde von Giuliano Gondi erworben, wie ein noch heute in der Villa erhaltenes Wappen bezeugt: das Wappen der Gondi mit einem Adler darüber. Somit folgte die Verkündigung mit ziemlicher Sicherheit den Gondi in den Stadtpalast.